Stipendien

Take Heart: Pastforward.

Recherchestipendium des Fonds Darstellende Künste 2022

In den letzten 19 Monaten brachen nicht nur Selbstverständlichkeiten weg, die erzwungene Pause eröffnete auch Zeit und Raum zu Recherche zur existentiellsten aller Krisen: der Klimakrise. Nach 28 gelesenen Büchern, der Produktion von Podcasts und dem performativen Musiktheater „Chthuluzän is calling_Berichte aus der Zukunft“ stellt sich die Frage: wie mit all dem erworbenen Wissen und künstlerischen Ideen umgehen? Wie lässt sich der Vielstimmigkeit im Diskurs um Klimakrise und einer notwendigen Transformation mit einem künstlerischen Pendant jenseits von individueller Produktion begegnen? Welches Medium verstärkt meine Arbeit über einen Theater- Kreis hinaus? Mein Vorhaben setzt an drei Punkten an und zielt auf a) Verflechtungen b) die Hinwendung zu Räumen jenseits der Großstadt und c) die Erkundung des Mediums Hörstück.

Dabei stehen Verflechtungen für den Wunsch nach Synergie-Effekten durch den Dialog zwischen Künstler:innen, die sich mit den Themen Krise und Transformation beschäftigen.
Ich möchte Räume jenseits der Großstadt finden und künstlerisch erkunden. Der dritte Komplex kreist um den Klang- und Sprachkosmos, den ich seit langem mit meinen Bühnenproduktionen verfolge und den ich durch die Beschäftigung mit Hörstücken konsequent weiter denken möchte. Alle Wege kreuzen einander und eröffnen durch Weggabelungen und -gefährten neue Horizonte.

Zeitraum: Januar- März 2022

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take_care: die Jeinsager

Stipendium des Fonds Darstellende Künste zu einer pandemieadäquaten inhaltlichen und ästhetischen Neuausrichtung der „Jeinsager“, 2020

Die Recherche und der damit zusammenhängende Arbeitsverlauf gestaltete sich nicht linear, sondern war- wie fast alles in diesen Zeiten- einem ständigen Neu-Justieren, Verwerfen und neu-denken unterworfen. Mehrere „Opfer“ mussten auch im Arbeitsprozess gebracht werden: das Stück kann in seiner ursprünglichen Form mit 16 Darsteller:innen in absehbarer Zeit nicht aufgeführt werden, der „Jasager“ ist nun nur noch Folie und nicht mehr Teil der „Jeinsager“. Entstanden ist eine Fassung, die mit den Verlusten und „Opfern“, die das Stück bringen musste, um in pandemischen Zeiten auf die Bühne zu kommen, kreativ umgeht: mit theatralischen Mitteln wie Reenactment, Video-Einspielungen und parallelen Bühnenaktionen, sowie Performance Lecture-Teilen und musikalischen Interventionen wurden „Die Jeinsager“ zu einem multimedialen Theaterabend umgebaut, welcher die Bruchstellen nicht verschleiert, sondern heraushebt. Das disparate Nebeneinander verschiedener ästhetischer Ebenen wurde verstärkt und scheint mir eine adäquate theatralische Antwort auf die „unerträgliche Ambivalenz täglicher Entscheidungen“ – so der Untertitel des Stückes und die Grunderfahrung pandemischen Ja und Neins. 

In seiner neuen Fassung für 3 (statt 9) Sänger:innen, 1 Performerin und 2 (statt 6) Musiker wird das Stück im März 2022 im Gare du Nord in Basel seine Uraufführung erleben. 

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Fotos aus Video-Sequenz. Video: Jonas Sulzer
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Form follows Crisis: The Present ergreift lebenserhaltende Maßnahmen

künstlerisches Forschungsprojekt mit dem Vokalensemble The Present

Nachdenken über musikalisch-performative Formen und Dialoge vor dem Hintergrund der existentiellsten aller Krisen: der Klimakrise.

Gemeinsam mit dem Vokalensemble THE PRESENT hat sich Therese Schmidt im Rahmen des reload-Stipendiums der Bundeskulturstiftung mit dem Klimawandel, seinen unmittelbaren und zukünftigen Auswirkungen, sowie möglichen künstlerischen Transformationen beschäftigt. Im Zentrum der künstlerischen Forschung standen zunächst viele Fragen: 

Wie hat das Wissen um bedrohte Ökosysteme und den ersten spürbaren Folgen eines Planeten in der Krise den Menschen verändert ? Wie haben wir uns schon verändert, wie müssen und wollen wir uns noch verändern und wie radikal können wir diese Metamorphosen – zumindest auf künstlerischer Ebene – denken? Von welchen Glaubenssätzen müssen wir uns trennen, welche neuen Narrative, Diskursräume und Erzählungen müssen etabliert werden? Letztlich: Wie können wir das Gelesene und Weitergedachte künstlerisch umsetzen? Im Gespräch mit Expert:innen und Wissenschaftler:innen haben wir Antworten auf diese Fragen gesucht. Entstanden ist unter anderem eine Podcast-Reihe, in der wir den Soziologen Dr. Manuel Rivera vom Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeit, den Mathematiker und Komplexitätsforscher Dr. Jobst Heitzig vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, die Dresdner Biologin Dr. Thea Lautenschläger von der TU Dresden, sowie die Musikethnologin Friedlind Riedel nach ihren Erfahrungen und Forschungsergebnissen befragt haben.

Die Podcasts sind hier abrufbar.