AKTUELL

THE PRESENT RETTET DIE WELT

TRÄNEN, TRAINING UND TRIUMPH: MUSIKALISCH-PERFORMATIVE REAKTIONEN AUF DIE KLIMAKRISE


1. -3. April 2022CRY ME A RIVER in der Kiezkapelle der Prinzessinengärten Neukölln
29. April –2.Mai 2022: WORK, BITCH in der Floating University Berlin
1. -3. Juli 2022FOUNTAIN OF JOY im Spreepark Berlin

Eine Produktion der Neuköllner Oper

Ab Frühjahr 2022 begeben sich das solistische Vokalensemble The Present und die Regisseurin Therese Schmidt auf die Suche nach dem Notwendigen: Wie müssen wir Menschen uns verwandeln, von welchen Glaubenssätzen müssen wir uns verabschieden, welche Verwandtschaften und neue Eigenschaften müssen wir annehmen… um auf diesem Planeten überleben zu können – und dieser mit uns?

Mit neuen Erzählungen, performativen Phantasien, barocken Chorälen und zeitgenössischen Gesängen aus dem 20. und 21. Jahrhundert nähern sich die Protagonist*innen vielstimmig einem verflochtenen Miteinander menschlicher und nichtmenschlicher Lebewesen und entwerfen Metamorphosen des Denkens, Fühlens und Handelns.

Konzept: Amélie Saadia, Hanna Herfurthner, Olivia Stahn, Therese Schmidt, Hsuan Huang
Regie: Therese Schmidt
Bühne und Kostüme: Hsuan Huang
Dramaturgie: Änne-Marthe Kühn
Gesang/Performance: THE PRESENT (in der Besetzung Amélie Saadia, Hanna Herfurthner, Olivia Stahn, Will Frost, Florian Hille)

Erster Abend: „Cry me a River“ // Kiezkapelle Neukölln // 1.-3.April 2022

CRY ME A RIVER steht ganz im Zeichen des Abschieds von althergebrachten Verhaltensweisen und liebgewonnenen Bequemlichkeiten. Abschied heißt auch Trauern und so werden die Tränen in einer ehemaligen Friedhofskapelle fließen: Die Kiez-Kapelle auf dem Gelände der Prinzessinnengärten – dem Ort zwischen Friedhof und urbaner Landwirtschaft direkt am U-Bahnhof Hermannstraße – wird dafür in eine wogende Landschaft voller skurriler Objekte, Rauminstallationen und Wasserrituale verwandelt. 
Nachdenklich, doch mit viel Humor untersuchen wir unsere Gegenwart und entwickeln einen musik-theatralen Abend der Andacht zwischen Mockumentary, der Reinigung von Körper, Bodenbelag und Seele, frühbarocker Chormusik, Brahms‘ Requiem und Justin Timberlake.

Zweiter Abend: „Work, Bitch!“ // Floating University // 30.April-1.Mai 2022

Anfang April wurde zum Start der Reihe THE PRESENT RETTET DIE WELT in der Kiezkapelle getrauert, nun folgt das Training in der FLOATING University Berlin für die Rettung des Lebens auf diesem Planeten. Hier, auf dem Gebiet des Regenwasserrückhaltebeckens für den ehemaligen Flughafen Tempelhof wird nicht nur nach neuen Modellen für nachhaltige Stadtentwicklung geforscht. THE PRESENT sucht im zweiten Teil der Trilogie nach Wegen hin zu einer radikalen Solidarität und versucht – mal mehr, mal weniger erfolgreich – sich aufzulösen, um neue Verbindungen zur umgebenden Welt einzugehen.

Dafür werden mehrere Stationen auf dem Gelände der FLOATING University Berlin abgearbeitet. Auf einer performativen Wanderung werden Sie Ihre Wahrnehmung für nicht-menschliche Arten mit einer neuen Form von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ schärfen und Ihre Ausdauer mit ein paar Schritten Step-Aerobic stärken können. Dabei kommen nicht nur Gummistiefel zum Einsatz, sondern auch Britney Spears, Bach, Tocotronic und Mendelssohn.

Die Jeinsager.
Oder: Über die unerträgliche Ambivalenz der täglichen Entscheidungen

Still aus einer Video-Sequenz, Video: Jonas Sulzer

Ein Musiktheaterabend mit „Der Jasager“ von Brecht/Weill und „Die Jeinsager“ von mehrblick&ton

ursprünglich geplante Uraufführung: 17. April 2020. Aufgrund pandemischer und krankheitsbedingter Ursachen musste die UA zweimal verschoben werden.
Neu: 15.-17. 03.2022 im Gare du Nord, Bahnhof für Neue Musik, Basel

In seiner neuen Musiktheaterproduktion „Die Jeinsager“ fragen mehrblick&ton nach Mechanismen von Entscheidungen und Opferbereitschaft in Zeiten einer „großen Krankheit“. Folie dafür ist die Schuloper „Der Jasager“ von Brecht/Weill, in der der „große Brauch“ einer reisenden Gesellschaft thematisiert wird, wonach ein krankes Mitglied den Berg hinab gestürzt werden muss, damit die nicht infizierte Gesellschaft unbesorgt weiterreisen kann. Ein Junge wird krank und stimmt seinem Tod zu, die Gesellschaft feiert seine Opferbereitschaft.

Vor der Corona-Pandemie konzipiert, wurde das Stück 2020 von der Realität überholt und daraufhin mehrfach inhaltlich überarbeitet und den geltenden Bühnen-Bestimmungen angepasst- erfahren doch Fragen nach individuellen und gesellschaftlichen Entscheidungsmechanismen im Umgang mit Krankheit unter dem Eindruck der Pandemie ein neue Wertigkeit. Nun ist die Realität (wieder) eine andere- die Fragen aber bleiben: Wieviel Informationen sind nötig um eine Entscheidung zu treffen? Wer ist relevant und in welchem System? Und wieviel Ambivalenz sind wir bereit auszuhalten?

Die Jeinsager positionieren sich mit Arien, Texten und musikalischen Interventionen zu den Fragen im Spannungsfeld von Ja, Nein und Jein und weiten ihr Stück zu einem multimedialen Theaterabend aus. 

Filmmittschnitt aus dem Gare du Nord, Basel, März 2022, Video und Schnitt: Miro Widmer

Chthuluzän is calling _ Berichte aus der Zukunft

Performatives Musiktheater für eine Schauspielerin, Synthesizer und Lautsprecherorchester. Eine Produktion von mehrblick&ton.

Theater im Delphi Berlin : 3.-5. September 2021
Theater Chur (Ch): 10./11. November 2021

Klimawandel, Artensterben, Pandemien: die Menschheit des Anthropozäns steht vor gewaltigen Herausforderungen. Das Musiktheaterkollektiv mehrblick&ton begibt sich angesichts einer kollabierenden Erde auf den Pfad des Spekulativen und entdeckt im Chtuluzän – einem von Donna Haraway imaginierten Zeitalter nach dem Anthropozän – ein neues Verständnis von Natur und Kultur und ein neues Miteinander menschlicher und nichtmenschlicher Lebewesen.
Zwei hybride Wesen aus dem Chtuluzän treffen auf die einzigartige, individuelle und vom Aussterben bedrohte Menschheit des Anthropozäns. Ihre Mission: die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren! Ihr Mittel: Kommunikation auf allen Ebenen und mit allen Sinnen. Und so verbinden sich Vokalwerke aus dem Anthropozän (Frank Martin: Messe pour double choeur) mit musikalischen Botschaften aus dem Chtuluzän, Zitate und lautmalerische Kompositionen verschmelzen mit performativen und textlichen Interventionen. Kann der Fortbestand der Menschen durch Metamorphosen des Denkens, Fühlens und Handelns gesichert werden und ermöglicht ein Perspektivwechsel neue, (r)evolutionäre Verbindungen?

Konzept, Text, Lautsprecherorchester, Regie: mehrblick&ton (Therese Schmidt und Wolfgang Heiniger)
Performance: Anne Hoffmann 
Synthesizer, Performance: Liz Kosack
Gesangs-Aufnahmen: Vokalensemble The Present
Stimmen: Jaap Stahn, Oscar Schmidt und andere menschliche und nichtmenschliche Lebewesen
Bühne und Kostüme: Yassu Yabara
Licht: Konrad Dietze
Klangregie Lautsprecherorchester: Sébastian Vaillancourt

gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. In Kooperation mit dem Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste, Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Neuköllner Oper